15.08.2013

hasse mich dafür

"Beschreib dich mal selbst!" "Groß, sozial inkompetent, griesgrämig, unfähig Arme und Beine zu koordinieren und der Orientierungssinn von 'ner roten Paprika." "Warum von 'ner Roten?" "Einfach nur, weil das mit einer Farbe zehntausendmal besser klingt als ohne." "Äh, ja. Egal. Weißt du, wie ich dich beschreiben würde?" "Ich argwöhne: weniger treffend." "Du bist unfassbar hübsch, intelligent und ein wirklich netter Mensch." "... wie Toastbrot."



Zugegeben, mein Freund mag da nun auch nicht der Objektivste sein, aber im Endeffekt lässt sich bei den meisten Menschen eine deutliche Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung nicht leugnen.

Und ich behaupte einfach mal frech, dass das Selbstbild häufig wesentlich negativer ausfällt als das Fremdbild. Selbst wenn man sein Leben nicht nur auf tumblr - dem Tummelplatz pubertierender Mädchen auf der ganzen Welt - verbringt, begegnen Einem viel zu viele wundervolle Menschen, die von enormen Selbstzweifeln, Minderwertigkeitskomplexen, Selbsthass oder anderen artverwandten Symptomen geplagt werden. Sowohl auf das Aussehen als auch auf den Charakter bezogen.

Zumindest mein innerer Hippie möchte all diese Menschen an den Schultern packen, kräftig rütteln und ihnen sagen, dass sie wunderschön sind. Innerlich und äußerlich. Dass sie aufhören sollen, sich selbst so fertig zu machen. Dass sie einen Fick auf Leute geben sollen, die sie nur verarschen und dass sie das garantiert nicht verdient haben. Dass jeder Mensch Liebe verdient.

Doch das tue ich eher selten. Weil ich viel zu gut weiß, wie es ist sich selber zu zerfleischen. In den Spiegel zu gucken und anzufangen zu heulen. Sich fünfzig Mal pro Tag zu denken "Meine Fresse, ich weiß schon, warum dich kaum jemand mag!". Wenn man sich alles schlecht redet, was mit dem eigenen Ich zusammenhängt. Und auch nichts Anderes hören zu wollen, da einem Komplimente unangenehm sind (weil man sich nur noch schlechter fühlt, wenn man die mit einem Mutterwitz kontert, einem aber auch nichts Besseres einfällt) und man sie eh nicht ernst nehmen kann, weil "die Anderen mich ja eh nicht wirklich kennen". Wenn man sich selbst nur alles Schlechte gönnt.

Und weil ich mir genau deshalb immer heuchlerisch vorkomme. Wie kann ich eigentlich von Selbstliebe und Toleranz überzeugt sein, wenn ich diese Prinzipien nicht mal bei mir selbst verwirklichen kann?

1 Kommentar:

  1. Ich finde seine Beschreibung aber auch viel treffender ;)
    Dein Selbstbild ist aber wirklich sehr negativ.
    Ich denke, dass es schwierig ist sich selbst lieben zu lernen.

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