20.04.2013

Zwischen Busfahrplan und Bahnsteig Noch ein Wir-Gefühl

„Ich kann dich auch in einen Zombie verwandeln...“

D lachte und wedelte mit seinem Iphone vor meiner Nase herum. Vorher hatte ich unter anderem schon eine konfuse Kurzversion von Hänsel & Gretel aufgenommen, um dann zu erleben, wie daraus ein Ohrenkrebs erzeugendes Lied mit der Melodie von Jingle Bells wird, zu dem ein schlecht animierter Weihnachtsmann seine Hüften schwingt.
Dass man als überzeugter Nutzer von mit Glitzernagellack befleckten 9 Euro-Handys, die von sowas wie Apps und Internet nur träumen können, natürlich begeistert wirken muss, versteht sich von selbst. Ich hatte schon für gefühlte 3792 andere Apps Begeisterung geheuchelt und war mittlerweile von leichter Faszination zu gähnender Langeweile übergegangen.

„Ich seh doch eh schon aus wie ein Zombie!“

Ich versuchte mit einem lahmen Witz wenigstens dieser irre lustigen App zu entgehen und somit in Ruhe meine Zigarette aufrauchen zu können. In Wartezeiten war ich schon immer Kettenraucherin gewesen. Seit ich wirklich regelmäßig rauchte, hieß das. In den guten alten ‚Ich rauch nur auf Partys!‘-Zeiten war das natürlich noch anders gewesen.
Eigentlich konnte ich froh sein, dass D mit mir auf meinen Bus wartete und genau genommen mochte ich D sogar. Manchmal. Er konnte ganz unterhaltsam sein, war einer der liebsten Menschen, die ich kannte und seit er nicht mehr mit L zusammen war, gingen einem die beiden auch nicht mehr mit ihrem ständigen Rumgeknutsche und irgendwelchen Sex-Wetten auf die Nerven. Mal ganz abgesehen davon, dass D noch etwas bei mir gut hatte.

„Aber ein hübscher Zombie.“
„Mhmjaaaah…“
„Nein, ich meine, ernsthaft. Wer sagt dir denn bitte, dass du nicht hübsch bist außer dir selbst?“

Ich genehmigte mir langsam den letzten Zug meiner Zigarette, drückte den kläglichen Rest dessen, was einmal eine Lucky Strike gewesen war, an der Kante der Holzbank aus und schmiss die Kippe achtlos vor mir auf den Boden zu all den anderen Zigarettenüberbleibseln, die sich über die Jahre angesammelt hatten. Rauchfreier Bahnhof und so.

„Ich seh einfach nur fertig aus gerade…“

Ablenken konnte ich gut .

„Wo siehst du bitte fertig aus?“

Verdammt. Bei quasi allen anderen Menschen klappte das mit dem Ablenken super. Und ich wollte gerade nun wirklich nicht über mich reden.

„Ach, ich schlaf‘ in den Ferien zu wenig und so, deshalb hab ich Augenringe des Todes.. Und meine Haut ist im Arsch, weil ich nur noch Scheiße fresse. Sonst beklage ich mich ja gar nicht!“

Ich hoffte, damit meine Ruhe zu haben und keine unangenehmen Gespräche führen zu müssen. Doch ich kannte D zu gut um wirklich damit zu rechnen, schon seit einiger Zeit hatte er es sich schließlich zur Aufgabe gemacht meine kleinen psychischen Macken zu kurieren.

„Immer noch kein Selbstb ewusstsein, hm?“
„Nein, verdammt! Natürlich nicht.“



Mittlerweile habe ich ein Smartphone, brauche keine langen Wartezeiten mehr um viel zu rauchen, hab' die Luckys durch Pueblo-Tabak, OCBs und Gizeh Slim Filter ersetzt, fast nichts mehr mit D zu tun und quasi keine Augenringe mehr. Sowas wie Selbstbewusstsein hab ich aber auch in diesem Jahr nicht für mich entdeckt.

7 Kommentare:

  1. haha die phase hatte ich auch :D INTERNET-CHECK!
    Ui danke hihi. <3

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  2. Oh dein neuer Blog - bin sehr gespannt (:

    Den Kack mit dem mangelnden Selbstbewusstsein kenne ich leider zu gut :-/ Wobei ich glaube, dass das bei mir genau andersherum ist, als bei dir: Ich komme so eigentlich ganz gut mit mir klar, aber vor anderen Leuten merke ich dann, wie wenig Selbstbewusstsein ich eigentlich habe...

    Du siehst übrigens hübsch aus und siehst nicht nach Zombie aus ;D

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  3. Ich mich auch, vor allem weil die Blödiane fast 3 Wochen für den Versand gebraucht haben :D

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  4. Die Pubertät ist eine klassische Übergangsphase. Man befindet sich nicht mehr in der Kindheit, aber auch noch nicht im Erwachsenenalter. Der Körper und der Geist verändern sich, gleichzeitig verändert sich das Umfeld (die gleichaltrigen Freunde, aber auch die Anforderungen, die Erwachsene an einen stellen). Man schwankt zwischen zwei gesellschaftlichen Rollen. Unterstützung erfährt man einerseits von Menschen, die ebenfalls in der Pubertät stecken (man kann ein hohes Maß an Gemeinsamkeiten entdecken und ein tiefes Gemeinschaftsgefühl erfahren), andererseits von Erwachsenen, die diese Lebensphase bereits hinter sich haben (man kann von ihnen auch bereits dadurch lernen, dass man sie in ihrem Leben als Erwachsene beobachtet und zu verstehen beginnt). Überwiegt eine Seite (Verstecken vor Verantwortung, ewig Kind bleiben wollen oder zu schnelles Umschalten vom Leben eines Kindes zum Leben eines Erwachsenen), gerät das labile Gleichgewicht in Gefahr. Der Knackpunkt ist die Analyse der persönlichen Lebensvorstellungen und der gesellschaftlichen Lebensanforderungen mit einer als Synthese zu verstehenden Priorisierung zukünftiger Handlungsvorstellungen. Du, verschwinde bitte nicht!

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    1. Ich glaube, ich mag dich :)
      Aber keine Angst, ich hatte nicht so bald vor zu verschwinden, meine Prioritäten für die nächsten Pi mal Daumen 10 Jahre stehen etc. Die Texte hier sind eher so zum Verarbeiten von Vergangenem, zur Erinnerung an die Sachen, an denen ich noch arbeiten will und um Lebensphasen festzhalten. :)

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  5. Ja, meine Leserliste ist nicht so lang, da fällt es auf, wenn plötzlich jemand VMS heißt und ein Bild, das du mal gezeigt hast, drinn hat, vor allem, weil ich so wie so ein paar mal neugierig auf deinem Profil war, um zu sehen, ob es was Neues gibt^^
    Ich würde an deiner Stelle aber auch meinen bisherigen regelmäßigen Lesern Bescheid geben :D
    Echt? Ich finde die Bilder so gerade zum Abzeichnen okay. Ich habe die eigentlich nur reingestellt, um meine "Arbeitsweise" zu dokumentieren :D Schon alleine die Haarfarb >.<

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